Hockey

11Feb2019

3. Herren holen wichtigen Heimsieg

Nur unter Druck entstehen Diamanten...

Tatort: Mülheim, 10.2.: 10:00, Harbeckehalle, 1. Verbandsliga Gruppe C

10 Spieltage sind bereits vergangen und die III.Herren, die ungekrönten Unentschiedenkönige der Liga, sind als bislang Tabellenletzter todentschlossen, diesen Zustand kurzfristig zu beenden.

„Jetzt haben wir die Liga genau da, wo wir Sie haben wollen" kommentiert Captain van Emmerich mit großer Fachkenntnis und analytischem Sachverstand die Lage, bereit, mit einem formidablen Endspurt das Feld von hinten aufzurollen. Und da der Spielplan es nicht vorgesehen hatte, heute dem Tabellenführer aus Jahn Hiesfeld zu zeigen, wo der Hammer hängt und der Frosch die Locken hat, war der zweite Anzug der tapferen Recken aus Wuppervalley nun dazu auserkoren, als Sparringspartner des stärksten Comeback seit Lazarus zu fungieren.

In der mannschaftseigenen Whatsapp-Gruppe (die nachweislich mehr Mitglieder hat als die UN-Vollversammlung) kursierten bereits seit Tagen kryptische Botschaften, dass außergewöhnliche Umstände außerordentlicher Maßnahmen bedürfen. Denn obwohl der Verteilerkreis der Liste locker dazu reichen würde, Personal für eine 5., 6. oder 7. Herren zu stellen, bedarf es jeder Woche neuer Überzeugungsarbeit, eine einigermaßen wettbewerbsfähige Truppe aufs Parkett zu stellen, die bereit ist, ihre blau-weißen Leiber mit Blut und Schweiß der 1.Verbandsliga einzufärben.

Und so trug es sich zu, dass aufgrund von Personalmangel das Tor diese Woche vom Verfasser dieser Zeilen gehütet werden durfte, obwohl bis zuletzt am Wahrheitsgehalt dieser Meldung gezweifelt wurde. Es ist an dieser Stelle festzuhalten, dass sein nahezu biblisches Alter von anderen Meistern ihrer Zunft (Mozart, Alexander der Große, Jesus) gar nicht erst erreicht wurde. Insofern schon ein Teilerfolg vor dem Anpfiff.

Nach kurzer Einführung in die in dieser Woche gültigen Hockeyregeln (man weiß ja nie, wann wieder eine Regel geändert wird), konnte es auch schon losgehen und die III. Herren legte los wie die freiwillige Feuerwehr von Bad Salzuflen beim jährlichen Spritzenfest. Aus einer klar orientierten, defensiven Aufstellung mit abfallendem 5er bei Unterzahl wurde der Gegner konsequent erst knapp vor dem eigenen Kreis unter Druck gesetzt, um dann dynamisch in das bekannte „Hinten dicht und vorne hilft der liebe Gott" –System zu gelangen, welches der III. Herren schon seit Jahren treuer Verbündeter in der 2. Verbandsliga ist und welches wunderbar dazu geeignet ist, in jener jedes Jahr um den Aufstieg mitzuspielen, diesen aus spieltaktischen Gründen aber tunlichst zu vermeiden. Aber wenn man nun schon mal aufgestiegen ist, was macht man dann? Logischerweise 1-0 in Führung gehen. Die Wuppertaler zeigten sich dadurch allerdings nicht geschockt und kamen wenig später bereits zum 1-1 Ausgleich im Nachschuss. Im weiteren Verlauf kamen die Blauen immer besser ins Spiel und zogen auf 3-1 davon, bevor man sich wieder eine dieser legendären und „typischen" KHTC-Auszeiten gönnte, die den Club immer wieder von der nationalen Spitze und dem Gewinn blauer Wimpel abgehalten hat. Dummerweise nahm man sich die Auszeit nämlich nicht regulär, sondern im laufenden Spielbetrieb, weswegen die Schwebebahnler aufgrund von zwei Kontern zum 3-3 ausgleichen konnten. Noch vor der Pause sollte sich die Heimmannschaft aber wieder fangen und das 4-3 erzielen, bevor kurz vor dem Pausentee das 4-4 durch einen unfassbaren Gewaltschuss in die untere linke Ecke des Tores hüpfte.

Die Pausenansprache geriet dann kurz und knapp: „läuft". In Halbzeit 2 merkte man den nun schon seit 30 Minuten angewachsenen Mannschaftsgeist und es gelang dem KHTC immer besser, den Gegner und die eigene Fehleranfälligkeit im Schach zu halten. Im Stile einer Spitzenmannschaft nutzte man gleich zweimal eine strafzeitbedingte temporäre Überzahl und zog bis auf 7-4 davon. Der Wuppertaler Endspurt reichte am Ende nur noch zum 7-6 (ebenfalls in Überzahl, aufgrund Bennies Verfall in rohe Sitten, der nur durch einen Spontanexorzismus auf der Strafbank geheilt werden konnte). Mit dem Abpfiff brachen alle Dämme. Champagner wurde entkorkt, die Nationalhymne wurde spontan intoniert und auf den Rängen konnten auch einige Glückstränen der zahlenden 4 Zuschauer erkannt werden.

Es bleibt festzuhalten, dass die III. Herren sicherlich schon bald an alte Heldentaten anschließen können wird. So bleiben noch 3 Spieltage, den nicht mehr für möglich gehaltenen Klassenerhalt zu schaffen, wenn man das denn wirklich unbedingt will. Die rote Laterne wurde auf jeden Fall schon mal nach Moers weitergereicht, wo sie auch berechtigterweise hingehört.